Die Taufe der Zeugen Jehovas


Wie Jehovas Zeugen ihre Taufe verstehen


Sie verstehen ihre Taufe als „Symbol ihrer persönlichen Hingabe an Jehova". In der Taufe handelt also nach ihrem Verständnis nicht Gott, sondern der Mensch. Weil Kin­der ein solches Gelübde nicht ablegen können, werden nur Erwachsene getauft - durch Untertauchen.


In der Taufansprache an die Täuflinge wird manchmal u.a. dargelegt, dass die Taufe „im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes" vollzogen werde (natürlich im „antitrinitarischen" Sinne gedeutet). Diese Taufformel (Matt. 28,19) wird jedoch beim Vollzug der Taufe nicht - wie in christlichen Kirchen und Frei­kirchen – „über dem Täufling gesprochen". Der Taufakt erfolgt „stumm". Bevor die Täuflinge zum Taufort aufbrechen, werden ihnen - als Gruppe - einige Fragen ge­stellt, die besondere Beachtung verdienen:


Die Tauffragen einst...


Noch in den sechziger Jahren fühlte man sich beim Wortlaut dieser Tauffragen an die Anfangszeit der „Bibelforscher" unter der Präsidentschaft C.T. Russells erinnert, der noch in hohem Maße die Sprache der amerikanischen Erweckungsbewegung pflegte. Im „Wachtturm" vom 15.8.1968, S. 489 wurden sie abgedruckt:


„1. Hast du erkannt, dass du vor Jehova Gott ein Sünder bist und der Rettung be­darfst, und hast du vor ihm anerkannt, dass diese Rettung von ihm, dem Vater kommt, und zwar durch seinen Sohn Jesus Christus?


2. Hast du dich aufgrund dieses Glaubens an Gott und an seine Rettungsvor­kehrung Gott rückhaltlos hingegeben, um fortan seinen Willen zu tun, wie er ihn dir unter der erleuchtenden Kraft des Heiligen Geistes durch Jesus Christus und durch die Bibel offenbart?"


Von der für Jehovas Zeugen heilsnotwendigen Organisation ist hier noch nicht die Rede (Damit wurde der Täufling dann früher oder später konfrontiert).


... und jetzt?


Im „Wachtturm" vom 1.6.1985 wurden die Tauffragen in ihrer neuen, heute geltenden Fassung abgedruckt, nunmehr mit einem ausdrücklichen Hinweis auf die „vom Geist geleitete Organisation Gottes":


„Hast du auf der Grundlage des Opfers Jesu Christi deine Sünden bereut und dich Jehova hingegeben, um seinen Willen zu tun?


Bist du dir darüber im klaren, dass du dich durch deine Hingabe und Taufe als ein Zeuge Jehovas zu erkennen gibst, der mit der vom Geist geleiteten Organisation Gottes verbunden ist?“


Wenn die Taufbewerber diese Fragen mit Ja beantworten, dann haben sie den rechten Herzenszustand und können sich taufen lassen."


Deutlicher kann man kaum vorführen, dass bei Jehovas Zeugen die Taufe - und ganz allgemein: das Heil des Menschen! - von dessen Wohlverhalten der Organisation gegenüber, seinen eigenen Verdiensten und seiner eige­nen Würdigkeit abhängig gemacht wird. Dagegen Paulus: „Es gibt hier keinen Unter­schied: Alle haben gesündigt und die Herrlichkeit verloren, die Gott ihnen zugedacht hatte, und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist (Röm. 3,22-24).


Hans-Jürgen Twisselmann

aus „Brücke zum Menschen" Nr. 142


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