35 Jahre Zeuge Jehovas -
Warum wir ausgestiegen sind


Wenn frühere Brüder, aktive Zeugen Jehovas, meine Frau und mich auf der Straße sehen oder im Supermarkt treffen, machen sie meist einen großen Bogen um uns beide oder schauen bewusst weg. Wir sind „die Abtrünnigen“. Man muss jeden Kontakt mit uns meiden.


Aus Glaubensgründen haben wir die Zeugen Jehovas verlassen, am
5. August 2004.


Beim Lesen der Bibel war uns aufgefallen, dass viele Glaubensgrundsätze der Zeugen einer biblischen Überprüfung nicht standhalten. Es war schon ein Schock, dies nach und nach festzustellen. Schließlich waren meine Frau 47 Jahre und ich 37 Jahre lang Zeugen Jehovas. Unsere Tochter und unser Schwiegersohn sind immer noch bei den Zeugen und planen, in den so genannten Gileaddienst zu gehen, als WT-Missionare zu werden. Das tut uns nun sehr weh, besondern auch deshalb, weil sie jeden normalen Kontakt mit uns ablehnen.


Meine Frau wurde im Gegensatz zu mir im Glauben der ZJ erzogen. Ich ließ mich mit 19 Jahren bei einem Kreiskongress taufen. Mein Wechsel von der Evangelischen Kirche zu den Zeugen Jehovas war auch eine Art Protesthaltung gegen meine Eltern. Ich war somit ein leichtes Opfer der „Wachtturm-Strategie“: Ich kannte die Bibel nicht.


Nun engagierte ich mich in der Versammlung, wurde Ältester und hielt Vorträge. Es wurde mir immer wieder gesagt, welch „großes Vorrecht“ es sei, auch auf größeren Kongressen Ansprachen halten zu dürfen. Auch las ich sehr gern. Allerdings waren da unter anderem auch Bücher dabei, die wir „als Zeugen Jehovas nicht lesen sollten“. Allmählich bekam ich doch Zweifel an meinem Tun: Ich stellte fest, dass viele den permanenten Leistungsdruck, den „Glauben zu bezeugen“, nur schwer oder gar nicht aushielten. Das exklusive Bibelverständnis der ZJ sah ich zunehmend kritisch. Aber diese Gedanken konnte ich nur mit meiner Frau teilen!


Wir fragten uns zum Beispiel: Sagt die Bibel tatsächlich, dass nur wenige Gläubige ausgesucht seien, das Abendmahl nehmen zu dürfen? Oder: Wo in der Bibel steht, dass Gott das Volk Israel für immer verworfen hat, wie es die ZJ lehren? Was bedeutet es für den Exklusivanspruch der ZJ, wenn das Wort Gottes sagt, dass Gott „noch andere Schafe“ hat? Warum wird eigentlich bei den ZJ „Jehova Gott“ mehr verehrt als Jesus Christus, wo doch nach der Aussage der Schrift beide „eins sind“ und der Sohn so geehrt werden soll wie der Vater?


Auch meine Schwiegermutter weihten wir in unsere Überlegungen und neuen Gedanken ein, dazu auch noch einige andere Zeugen, von denen wir wussten, dass sie nicht alles durch die „Wachtturmbrille“ sahen. Von da an trafen wir uns regelmäßig in einem Hauskreis, um unsere Fragen anhand der Bibel zu besprechen. Immer größer wurde dieser Hauskreis: Binnen kurzem waren wir sieben Personen, alles Zeugen Jehovas.


Unter Gebet suchten wir dann eine Gemeinde, die wir auch schnell fanden. Diese Gemeinde liebt und lehrt das Wort Gottes. Sie lässt die Bibel stehen und legt sie nicht aus, wie es die Zeugen mit jedem Vers meinen tun zu müssen.


So ließen wir uns dann im Oktober 2004 auf das Bekenntnis und im Namen des Dreieinigen Gottes taufen, zusammen mit fünf anderen aus unserem Hauskreis. Ich hoffe, dass noch weitere Angehörige unseres immer noch bestehenden Hauskreises diesen Schritt ebenfalls eines Tages vollziehen werden.


Mir tun die Zeugen Jehovas inzwischen einfach nur sehr leid. Sie setzen sich schrecklich unter Druck, um ihre eigene Rettung zu verdienen. Dabei sind wir alle von der Gnade unseres Herrn Jesus Christus abhängig.


Hier habe ich einige Fragen zusammengestellt, die die ZJ nicht aus der Heiligen Schrift beantworten können, obwohl sie über diese Fragen Lehrpunkte aufgestellt haben. Sie mögen dem einen oder anderen in Gesprächen helfen:


- Wo steht in der Bibel, dass nur der „Überrest der 144.000“ vom Abendmahl nehmen soll?


- Wo steht in der Bibel, dass die 144.000 aus allen Nationen stammen?


- Wo steht in der Bibel, dass Jesus nicht die gleiche Ehre erwiesen werden soll wie dem Vater?


- Wo steht in der Bibel, dass Gott Israel verworfen hat?


- Wo steht in der Bibel, dass es zwei Herden mit unterschiedlicher Hoffnung gibt?


Ja, man kann zwar alle diese Fragen beantworten, aber mit der Bibel kommt man nicht zum selben Schluss wie der Wachtturm! Ich hoffe, dass noch viele Zeugen Jehovas das erleuchtende Licht der guten Botschaft des Christus sehen werden und sich von dieser irrlichternden Organisation trennen.


W.K.

Aussteigerberichte Diesen Text als PDF-Datei laden